SITUATION
Der Abriss der Chesa Gianotti war durch den neu erstellten Quartierplan fast schon beschlossene Sache.
Dank dem Besitzer und der neuen Bauherrschaft konnte das Dorfbild prägende Gebäudes mittels einer umfassenden Sanierung und einer Aufstockung aus Sichtbeton der Abriss verhindert werden. Die historische Kopfbaute markierte in der Erbauungszeit um 1900 den Anfang eines der fünf Dorfteile Pontresinas. Heute ist das Gebäude Teil des neu enstandenen Dorfplatzes, zusammen mit dem Kongresszentrum Rondo.
ARCHITEKTUR
Die Chesa Gianotti wurde um 1900 im bündner Heimatstil erbaut und galt damals als moderne, zeitgemässe Architekturbaute. Im Engadin und in Pontresina gibt es nur noch wenige Zeitzeugen dieser Epoche, welche vom Selbstverständnis der regionalen historischen Architektur geprägt ist. Diesen einmaligen Qualitäten wollte man Rechnung tragen und mit dem Umbau und der Erweiterung die spannende Geschichte dieses Gebäudes weiterschreiben.
Die ehemalige historische Substanz der Chesa Gianotti wurde aus den verschiedenen getätigten Umbauten herausgeschält und ist wieder erkennbar gemacht worden. Der Anbau aus gestocktem, anthrazitem Sichtbeton knüpft an die Massivität des bestehenden Gebäudes und dessen Verputzte Oberfläche an. Die markanten Elemente des Altbaus wurden neu interpretiert und im Anbau übernommen. Dadurch entsteht eine Beziehung zum Kontext des Bestands. Beide Gebäudeteile sind als selbständige Volumen erkennbar, entwickeln aber zusammen ein zeitloses, sich ergänzendes Ensemble. Das Sockelgeschoss an der Strassenpassage verbindet die beiden Gebäudekörper. Dadurch erhält das Haus einen prägenden Halt und eine unverkennbare Adresse.
Auch im Gebäude Innern ist der Übergang von Anbau und bestehendem Gebäude gut erkennbar: Die mächtige Natursteinmauer zeigt das beeindruckende Handwerk der damaligen Baukunst und spannt eine interessante Beziehung zur heutigen, weiter entwickelten Bauweise in Sichtbeton auf. Die sanierten und umgebauten Wohnungen sollen einen Bezug zur Landschaft sowie dem historischen Gebäude haben. So wurden ausschliesslich Materialien des alpinen Raumes verwendet. Die weiss geölten Lärchenböden erinnern an die schönen Lärchenwälder im Engadin. Jeder Stein welcher im Bad verbaut wurde ist ein Einzelstück aus dem Valser Steinbruch. Die hochqualitativen Raumküchen sowie das Farbkonzept mit warmen Erdtönen runden das Raumkonzept stilvoll ab. Eine weitere Anlehnung an die Gründerzeit des historischen Gebäudes, moderne, zeitlose Architektur welche den höchsten Ansprüchen genügt.
Das Gebäude konnte sein ursprüngliches, sehr vielfältiges Raumprogramm mit Gewerbe, Atelier und Wohnungen beibehalten. Im Erdgeschoss kann weiterhin der Tratidionsbetrieb der Engadiner Zuckerbäckerei in der vierten Generation weiterbetrieben werden, welcher mittels Weinbar und Grillrestaurant erweitert wurde. Dank diesem Angebot an zentraler Lage kann ein wichtiger Beitrag an das Dorfleben aufrecht erhalten werden.

